Der Fotograf und die Natürlichkeit des Augenblicks


Wache nachts auf und schaue auf die Decke, unter der ich schlafe. Ganz plötzlich berührt mich ihr Anblick, wie sie im Mondschein so wunderschöne Falten und Wellen hat. Wow … toll sieht das aus. Mein nächster Gedanke ist: Das fotografiere ich! Fange an aufzustehen, um meine Kamera zu holen und die wunderschönen Falten und Wellen verändern sich. Ich begreife, dass die Decke ja auf mir liegt und sich bewegt, wenn ich mich bewege. Dann versuche ich so aufzustehen und mich so zu bewegen, dass die Decke wieder so schön aussieht wie beim ersten Anblick.

Meine Bewegungen werden gehemmt und steif. Mein Geist krallt sich an das Bild, welches ich zurückholen möchte und ich möchte am liebsten versuchen, jede Falte einzeln genau so wieder hinzulegen, wie es doch einmal so schön war. Möchte irgendwas zu der Decke hinzufügen, um sie aufzuwerten. Fange an, Kombinationen auszuprobieren und zu fotografieren, zum Beispiel meine Hände oder Füße interessant auf die Decke zu legen.

Ab diesem Moment kann ich eigentlich nur noch beobachten, dass, je mehr ich versuche, die Decke wieder so wunderschön aussehen zu lassen wie beim ersten Anblick ... sie nicht wunderschön aussieht. Zu künstlich und zu gewollt. Erlaube der Decke nicht mehr, von sich aus, um ihrer selbst willen schön zu sein. Bin mir zu bewusst geworden, was passiert, die Fotos werden immer langweiliger, ich gebe auf, bin wieder glücklich und schlafe selig mit meiner Kamera neben mir ein ...